Refinanzierung

Refinancing/Funding (engl.) oder Refinanzierung (dt.) ist ein Begriff, der aus der Finanz- und Betriebswirtschaft stammt. Die Erklärung einer Refinanzierung ist vergleichsweise einfach: Sie dient der Mittelbeschaffung für die Gewährung von Darlehen und wird von Banken genutzt. Sie nehmen beispielsweise den Notenbankkredit in Anspruch oder leihen sich Kapital für die Kreditgewährung von anderen Kreditinstituten. Auch Unternehmen können die Refinanzierung nutzen, um die Kreditliquidität durch die Restrukturierung bestehender Schulden zu verbessern.

Beispiel einer Refinanzierung 

Unternehmen haben es nicht immer ganz leicht, Darlehen bei Banken zu erhalten. Die Lösung kann eine Refinanzierung sein, um frisches Kapital in das Unternehmen zu bringen. Um neue liquide Mittel ins Unternehmen zu bringen, gibt es zahlreiche Refinanzierungsquellen, die der Eigen- und Fremdfinanzierung zugeordnet sind. 

Benötigt das Unternehmen beispielsweise Kapital, kann es durch die Eigenfinanzierung neue liquide Mittel in das Unternehmen bringen (beispielsweise durch neue Beteiligungsgesellschaften). Es besteht auch die Möglichkeit, den zusätzlichen Finanzbedarf durch ein Darlehen einer Bank zu decken. Zur Auswahl stehen unter anderem:

  • Hypothekarkredit
  • Wechseldiskontkredit
  • internationale Kreditfinanzierung

Beliebt ist für die Refinanzierung bei Unternehmen der Hypothekarkredit, denn er kann als langfristiger Kredit genutzt und zur Finanzierung größerer Immobilien oder Wirtschaftsgüter eingesetzt werden. Die Refinanzierung am internationalen Geldmarkt ist ebenfalls möglich und bietet häufig sogar bessere Zinskonditionen als ein Darlehen der eigenen Bank.

Refinanzierung bei Banken 

Die Mittelbeschaffung erklären wir an einem Beispiel für Refinanzierung. Um einem Unternehmen oder einer privaten Person ein Darlehen zu gewähren, muss das Kreditinstitut für eine entsprechende Liquidität sorgen. Dabei gilt: Je niedriger der zu zahlende Zins, desto geringer ist auch der Nominalzins des Darlehens. Derartige Refinanzierungen laufen meist langfristig, nicht selten sogar 30 Jahre. Allerdings refinanzieren die meisten Kreditinstitute nur kurz- bis mittelfristig, um Chancen am Markt wahrzunehmen. Dieses Vorgehen gilt auch bei der Risikostreuung und der Erhöhung der Zinssatz-Differenz(en). Durch diese Differenz verdienen die Kreditinstitute ihr Geld und können damit weitere Aufwendungen finanzieren. 

Mittel für Refinanzierung

Um die Refinanzierung umzusetzen, haben Banken verschiedene Möglichkeiten:

  • über die Zentralbanken
  • über Spareinlagen der Kunden
  • durch Kreditverkauf
  • durch Aufnahme eines Darlehens bei Geschäftsbanken

Refinanzierung über Zentralbanken

Die Europäische Zentralbank sowie die Zentralbanken der EU-Länder spielen bei der Refinanzierung eine wesentliche Rolle. Banken können sich von ihnen günstig Geld beschaffen, um attraktivere Darlehen an Privatpersonen oder Unternehmungen auszugeben. Damit soll die Wirtschaftlichkeit im jeweiligen Land erhöht werden. Gängige Form einer Refinanzierung über Zentralbanken ist die „Spitzenrefinanzierungsfazilität“. Die Kreditinstitute erhalten einen Blankokredit, der zu einem Spitzenrefinanzierungssatz zurückgezahlt wird. Angewandt wird die Geldbeschaffung vor allem bei kurzfristiger Kapitalaufnahme. 

Refinanzierung über Spareinlagen

Die Spareinlagen der Kunden werden häufig von Banken zur Refinanzierung genutzt. Die Bank nutzt sie, um das Kapital anderen Kunden zu leihen und berechnet dafür höhere Zinsen. Zu den gängigen Spareinlagen gehören neben Sparbüchern auch Tages- und Festgeld sowie Sparbriefe oder das Guthaben auf dem Girokonto. Von Vorteil sind die langfristigen Spareinlagen der Kunden mit einer fixen Laufzeit, denn für die Refinanzierung der Banken bietet sich damit mehr Planungssicherheit. Zur Absicherung der Refinanzierung mit dem Sparguthaben der Kunden ist eine Mindestreserve erforderlich, damit die Kreditinstitute nur einen Teil des Kapitals der Kunden zur Refinanzierung nutzen.

Refinanzierung durch Kreditverkauf

Kredite lassen sich auch verkaufen, um Kapital zu erhalten. Dabei werden meist mehrere Kredite ähnlicher Form gebündelt und dann an Investoren verkauft. Sind Banken in einer Notlage, findet die Refinanzierung über den Kreditverkauf besonders häufig statt. Ziel ist es, möglichst schnell Kapital zu erhalten, um die Eigenkapitalquote zu erhöhen und die Bilanz zu verbessern. In Deutschland gibt es allerdings für den Kreditverkauf eine Risikobegrenzung, sodass die Kreditnehmer den Verkauf ihres Darlehens bei Vertragsabschluss ausschließen können. Grund hierfür sind die massiven Kreditverkäufe nach der amerikanischen Finanzkrise 2008, denn damals hatten die US-Banken durch den Kreditverkauf zum enormen Anstieg der Zwangsvollstreckung im Land geführt.

Refinanzierung durch Aufnahme eines Darlehens bei Geschäftsbanken

Der Kapitalmarkt bietet auch die Möglichkeit, Staatskredite für die Refinanzierung aufzunehmen. Geschäftsbanken geben Anleihen aus, Hypothekenbanken Pfandbriefe. Allerdings ist diese Art der Refinanzierung nicht unumstritten, denn sie hat zur Bankenkrise beigetragen. Die Refinanzierung durch die Aufnahme eines Darlehens bei Geschäftsbanken ist heute noch immer Praxis, allerdings mit einem höheren Risiko verbunden. Gibt die Geschäftsbank beispielsweise Anleihen bei einem hohen Zinsniveau aus, sind auch die Zinsen für das Darlehen höher. Damit liegen im Worst Case die Refinanzierungskosten über den Darlehenseinnahmen, sodass die Bank einen Verlust erzielt. Möchten sich Banken Gelder von anderen Banken leihen, muss die Bonität enorm hoch sein (geregelt im Kreditwesengesetz). Auf diese Weise sollen erneute Krisen im Bankensektor vermieden werden.

Refinanzierung von Immobiliendarlehen bei Banken 

Um Baukredite zu realisieren, benötigen die Banken langfristige Refinanzierungen, die risikoarm und berechenbar sind. Damit wird das Zinsrisiko deutlich reduziert. Außerdem müssen die Kreditinstitute sicherstellen, dass das Guthaben der Kunden auf dem Tagesgeld- oder Sparkonto jederzeit ausgezahlt werden kann. Um diese Planungssicherheit für die Realisierung attraktiver Baufinanzierungen gewährleisten zu können, bietet sich die Kapitalbeschaffung durch die Refinanzierung an. Vertreten ist hierbei häufig die Schuldverschreibung, wozu unter anderem Pfandbriefe gehören.

Pfandbriefe für Refinanzierung erklärt

Bei der Refinanzierung über Pfandbriefe beleiht die Bank die abgetretenen Immobilien der Darlehensnehmer und die eigenen Immobilien mit einem gesicherten Pfandbrief. Für langfristige Liquidität sorgt Fristenkongruenz. Langfristige Baukredite müssen größtenteils mit ebenfalls langfristigen Finanzierungsinstrumenten gesichert sein. Die Pfandbrief-Laufzeit sowie die Baufinanzierung-Zinsbindung korrespondieren in diesem Fall. Pfandbriefe sind deshalb für die Refinanzierung von Immobiliendarlehen bei Banken äußerst beliebt, da sie äußerst sicher sind. Da beim Immobilien-Beleihungswert nur 60 Prozent für das Baufinanzierungsdarlehen mit Pfandbrief-Deckung anerkannt werden, haben Pfandbriefe eine niedrige Ausfallwahrscheinlichkeit. 

Refinanzierung bei Privatpersonen  

Der Begriff „Refinanzierung“ wird im Zusammenhang mit privaten und institutionellen Darlehensnehmern ebenfalls für eine neue Vereinbarung laufender Kreditkonditionen genutzt. Möchten die privaten Kreditnehmer ihr Immobiliendarlehen erneuern oder verlängern, macht die Refinanzierung häufig Sinn. Läuft beispielsweise die Zinsbindung aus, muss eine passende Anschlussfinanzierung gefunden werden. Der Kreditvergleich hilft hierbei weiter, um die Bedingungen neu zu setzen und die besten Konditionen für die Refinanzierung zu erhalten. 

Refinanzierung von Immobiliendarlehen bei Privatpersonen 

Benötigen die Privatpersonen für Immobiliendarlehen eine Anschlussfinanzierung, gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Refinanzierung. Sie können beispielsweise das Angebot der bisherigen Bank für die neuen Kreditkonditionen annehmen oder sich selbst auf die Suche nach einer alternativen Baufinanzierung machen. Auch die Kapitalbeschaffung durch Freunde oder Bekannte kann Sinn machen, wenn beispielsweise der noch offene Darlehensbetrag nicht mehr allzu hoch ist.

Bank muss drei Monate vor Ende der Zinsbindung informieren

Die finanzierende Bank muss jedem Darlehensnehmer drei Monate vor Ablauf der Zinsbindungsfrist ein Angebot für die Anschlussfinanzierung unterbreiten. Der Darlehensnehmer kann es annehmen oder ablehnen. Lässt er die Frist verstreichen, wird der Vertrag nicht automatisch beendet, sondern es gilt ab dann der variable Baukreditzins. Dieser ist allerdings nicht zu empfehlen, denn das Zinsänderungsrisiko ist äußerst hoch.

Methoden der Refinanzierung 

Je günstiger Banken Refinanzierungen aufnehmen können, desto günstiger sind auch die Konditionen für die gewährten Darlehen. Unterschieden wird zwischen zwei verschiedenen Möglichkeiten: Aktivvorgriff und Passivvorgriff.

Aktivvorgriff erklärt

Bei dieser Methode nimmt die Bank einen Kredit auf, ohne ihn direkt einzusetzen. Dadurch verringert sich die Liquidität, welche allerdings im Vorfeld kalkuliert wird. Der Aktivvorgriff wird genutzt, da Banken davon ausgehen, dass die Zinsen auf dem Geldmarkt sinken. Sobald sie auf dem angestrebten Niveau sind, beginnt die Refinanzierung und die Bank kann mit eigenen ausgegebenen Krediten Gewinne erzielen.

Passivvorgriff

Beim Passivvorgriff setzen die Banken eine Zinssteigerung am Kapitalmarkt voraus. Kapital, was über die Refinanzierung eingenommen wurde, wird allerdings nicht für die Kreditvergabe verwendet, sondern selbst angelegt. Damit sollen höhere Zinsen, als bei der Refinanzierung generiert werden. Zum Einsatz kommen deshalb Finanzprodukte mit kurzer Laufzeit bei anderen Kreditinstituten. Wird das Kapital für neue Kundendarlehen benötigt, erfolgt die Auflösung der Geldanlagen bei den anderen Kreditinstituten.

Kosten der Refinanzierung 

Der Kostenaufwand bei der Refinanzierung setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Den größten Anteil stellen die Zinsaufwendungen dar, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • Zinsaufwand für Kundeneinlagen (u. a. Spareinlagen)
  • Interbankeinlagen
  • Schuldverschreibungen
  • nachrangige Verbindlichkeiten
  • Ausschüttungen ausgegebener Genussrechte
  • Gewinnschuldverschreibungen

Weitere Kostenfaktoren für Refinanzierung

Bei der Refinanzierung gibt es weitere Kosteneinflussgrößen. Das allgemeine Zinsniveau auf den Märkten gehört dazu. Auch die Devisenkurse (bei Refinanzierungen in Fremdwährungen) sowie das Rating zur Bestimmung der Kreditrisiken bei Mindesteigenkapitalanforderungen spielen eine wesentliche Rolle. 

Welche Form der Refinanzierung ist die teuerste? 

Refinanzierungen können über Anleihen ebenfalls realisiert werden. Allerdings verursacht diese Methode zusätzliche Kosten für die Immissionen, sodass sie zur teuersten Form der Refinanzierung gehört.

Welche Form der Refinanzierung ist die kostengünstigste? 

Am günstigsten sind Einlagengeschäfte für Kreditinstitute, wenngleich hier geringere Margen als bei der Privatkunden-Kreditvergabe erzielt werden. 

Risiken der Refinanzierung 

Refinanzierungen sind eine gute Möglichkeit, um liquide Mittel schnell zu beschaffen und damit die eigene Liquidität zu erhöhen oder konkurrenzfähige Darlehen für Kunden anbieten zu können. Allerdings gibt es auch Risiken für die Refinanzierung.

Interbankenmarkt

Risiken für Banken 

Für Banken gibt es bei der Refinanzierung vor allem ein Liquiditätsrisiko, was aus Refinanzierungs-, Abruf- und einem Terminrisiko besteht. Zu den Gegenparteirisiken gehören Termin- und Abrufrisiken, da sie vom Verhalten der Bankkunden abhängig sind.

  • Refinanzierungsrisiko: Die Bank kann den Zahlungsverpflichtungen künftig oder gegenwärtig nicht oder nicht fristgerecht nachkommen und muss den Liquiditätsengpass mit kurzfristigen Mitteln zu einem höheren Zinssatz überbrücken. Häufig tritt dies aus der Fristentransformation.
  • Zinsänderungsrisiko: eine Anschlussfinanzierung muss zum höheren Zinssatz als die Ursprungsfinanzierung abgeschlossen werden und kann damit statt Gewinnen Verluste bei Banken verursachen.
  • Terminrisiko: Bei verspäteten Kreditzins- und/oder Tilgungszahlungen von Krediten kann dieses Risiko auftreten. Ursächlich können Bonitätsverschlechterungen der Kreditnehmer sein.
  • Abrufrisiko: Nicht genutzte Kreditzusagen werden zeitlich unerwartet beansprucht (aktives Abrufrisiko) oder Einlagen unerwartet abgerufen (passivisches Abrufrisiko). Ins Gewicht fällt das Abrufrisiko vor allem bei Großeinlagen oder Großkrediten.

Weitere Risiken der Refinanzierung

Nicht kaufbereite Aktienmärkte oder finanzielle Engpässe bei Gesellschaftern sind ebenfalls Risiken. Der Fremdfinanzierung-Engpass kann dazu führen, dass Finanzkrisen ausgelöst werden. Bestes Beispiel ist die Insolvenz von Lehman Brothers im September 2008. Der Interbankenmarkt erlitt einen enormen Vertrauensverlust, durch den Kreditinstitute untereinander kaum Darlehen vergaben und die EZB eingeschaltet wurde. Besonders stark betroffen von der Krise waren Spezialbanken, Autobanken und Regionalbanken.

 Risiken für Privatpersonen 

 Auch für Privatpersonen ergeben sich aus der Refinanzierung mögliche Risiken.

  • Negative Entwicklung der Spareinlagen: Da die Konditionen für die Refinanzierung für Banken häufig attraktiv sind, wirkt sich dies negativ auf die Angebote für Spareinlagen der Kunden aus. Kreditinstitute leihen bevorzugt Geld bei Zentralbanken für die Refinanzierung und nutzen dafür nicht die Einlagen der Kunden. Dadurch sinken die Zinsen für Spareinlagen.
  • Höhere Zinsen nach Ende der Zinsbindung: Die Zinsen der Anschlussfinanzierung können höher sein als die bisherigen durch die Zinsbindung. Nutzen die Kunden gar keine neue Festzinsvereinbarung, wird der bestehende Darlehensvertrag nicht automatisch auslaufen, aber die Zinsen als variable Baukreditzinsen weitergeführt. Variable Zinsen bedeuten, dass das Änderungsrisiko deutlich erhöht ist.